Aufbau einer kohärenten Produktfamilie mit einem modularen Gehäusesystem

Von Rakesh Kumar, Ph.D.

Zur Verfügung gestellt von Nordamerikanische Fachredakteure von DigiKey

Auf dem B2B-Elektronikmarkt ist ein allgemein verwendbares Produkt oft nicht ausreichend. Die Kunden verlangen Lösungen, die auf ihre spezifischen Bedürfnisse und Budgets zugeschnitten sind, was die Unternehmen dazu veranlasst, abgestufte Produktfamilien zu entwickeln, die aus einem Basismodell, einer professionellen Version und speziellen Varianten bestehen. Das mag zwar aus der Marketingperspektive verlockend klingen, stellt aber für Entwicklungsingenieure eine Herausforderung dar. Die Wahl eines Elektronikgehäuses, die oft erst spät im Prozess getroffen wird, ist eine kritische Entscheidung, die sich auf den Lebenszyklus des Produkts auswirkt.

Das Kernproblem besteht in der Aufrechterhaltung der Markenidentität, einer einfachen Lieferkette und der Fertigungseffizienz, wenn jede Produktvariante einzigartige physische Anforderungen stellt. Der typische Weg führt oft zu einer Ansammlung von unterschiedlichen Gehäusen ohne visuellen Zusammenhalt, oder er erfordert erhebliche Investitionen in kundenspezifische Werkzeuge. Ein strategisches Umdenken - von der Beschaffung eines Gehäuses für ein Produkt zur Auswahl einer Gehäuseplattform für eine Produktfamilie - bietet eine effektive Lösung. Dieser Artikel befasst sich mit den Herausforderungen bei der Unterbringung einer Produktfamilie und zeigt, wie ein modulares Gehäuse-Ökosystem, insbesondere das Monitoring Case System (MCS) von Phoenix Contact, einen Rahmen für einen effizienten und skalierbaren Entwicklungsprozess bietet.

Häufige Fallstricke bei der Auswahl von Gehäusen für Produktfamilien

Bei der Entwicklung einer Produktlinie stehen Ingenieurteams oft vor zwei Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Gehäusedesign. Der erste Ansatz ist eine Einzelanfertigung, bei der für jede Produktvariante ein einzigartiges, serienmäßiges Gehäuse beschafft wird. Dieser Weg führt zu einer unzusammenhängenden Produktfamilie ohne visuelle Kohäsion, was die Markenidentität schwächen kann. Außerdem wird die Lieferkette komplizierter und die Herstellung wird aufgrund unterschiedlicher Werkzeuge und Montageverfahren ineffizienter.

Die zweite Herausforderung ist die Inbetriebnahme kundenspezifischer Spritzgießwerkzeuge. Dies gewährleistet zwar eine konsistente Markenästhetik, aber die einmaligen Entwicklungs- und Werkzeugkosten stellen eine beträchtliche finanzielle Verpflichtung dar, die in der Regel für Produkte mit hohen Stückzahlen reserviert ist. Außerdem sind kundenspezifische Werkzeuge unflexibel, da jede Konstruktionsänderung teuer und zeitaufwendig sein kann, was die Flexibilität und die Fähigkeit, auf Marktveränderungen zu reagieren, einschränkt. Letztendlich müssen sich die Ingenieure zwischen einem fragmentierten Ansatz und einer starren Strategie entscheiden.

Die Lösung: Ein strategischer Wechsel zu einer modularen Gehäuseplattform

Diese Herausforderung kann durch einen plattformbasierten Ansatz bewältigt werden. Statt einzelne Gehäuse zu beschaffen, besteht die Strategie darin, ein modulares Gehäuse-Ökosystem zu wählen. Es könnte ein einheitliches System von Basisgehäusen, austauschbaren Abdeckungen, Rahmen und Zubehör sein, die nahtlos zusammenarbeiten. Dadurch wird das Gehäuse zu einem wichtigen Bestandteil der Produktstrategie.

Die wichtigsten Vorteile einer modularen Plattform

  • Markenkohäsion: Eine gemeinsame Designsprache für alle Produktvarianten schafft eine professionelle und wiedererkennbare Markenidentität.
  • Vereinfachung der Lieferkette: Das Kerngehäuse kann über die gesamte Produktfamilie hinweg standardisiert werden, wodurch sich die Anzahl der Hauptlieferanten und SKUs verringert. Die Produktvariation wird durch eine kleinere Anzahl von Zubehörkomponenten gesteuert.
  • Effiziente Entwicklung und Fertigung: Ingenieure können das Kern-Leiterplattenlayout für eine einzige, bekannte Gehäuseplattform entwerfen und so optimale Effizienz gewährleisten. Durch diese Standardisierung wird der gesamte Prozess optimiert. Dieselben Vorrichtungen, Werkzeuge und Arbeitsabläufe können für die gesamte Produktfamilie verwendet werden, wodurch sich der Fertigungsdurchsatz erhöht.
  • Skalierbarkeit und Zukunftssicherheit: Ein modulares System ist von Natur aus skalierbar. Eine neue Produktvariante kann durch den Austausch eines Rahmens oder das Hinzufügen eines Zubehörs geschaffen werden, so dass ein Unternehmen auf neue Kundenbedürfnisse reagieren kann, ohne eine komplette mechanische Neukonstruktion vornehmen zu müssen.

Die Umsetzung in die Praxis: das MCS-Ökosystem von Phoenix Contact

Das MCS (Monitoring Case System) von Phoenix Contact ist ein Beispiel für diese modulare Designphilosophie und bietet Ingenieuren einen Rahmen für den Aufbau einer vielfältigen Produktfamilie. Das in Abbildung 1 dargestellte Ökosystem basiert auf einem Fundament von standardisierten Gehäusen, die dann durch eine breite Palette von austauschbaren Rahmen angepasst und durch ein Standardzubehör vereinheitlicht werden.

Bild: MCS-Ökosystem von Phoenix ContactAbbildung 1: Eine Explosionszeichnung des MCS-Ökosystems von Phoenix Contact, das die modularen Komponenten zeigt: Basisgehäuse (1), austauschbare Abdeckung/Rahmen (2) und optionales Zubehör wie Adapterplatten und Scharniere (3). (Bildquelle: Phoenix Contact)

MCS-Gehäuse als Grundlage

Die Plattform basiert auf einer Reihe von MCS-Gehäusen, die die Grundlage für die Produktfamilie bilden. Dieser Ansatz ermöglicht es Ingenieuren, das physische Volumen entsprechend den Funktionsanforderungen zu skalieren, z. B.

  • Das kompakte Modell: Für einen einfachen IoT-Sensor mit minimalen Komponenten bietet das kompakte MCS-78X64X42-IP6X-7035 (78 x 64 mm) ein robustes, platzsparendes Gehäuse. Es eignet sich für einfache Überwachungsaufgaben, bei denen der Platzbedarf eine wesentliche Einschränkung darstellt.
  • Das erweiterte Modell: Wenn mehr Funktionalität benötigt wird, z. B. zusätzliche I/O oder komplexere Schaltkreise, bietet das mittelgroße Modell MCS-112X90X52-IP6X-7035 (112 x 90 mm) ein größeres internes Volumen, ohne dass der Footprint wesentlich größer wird.
  • Das High-Performance-Modell: Für ein Spitzengerät mit umfangreicher Elektronik oder mehreren Leiterplatten bietet das größte Gehäuse, das MCS-156X127X65-IP6X-7035 (156 x 127 mm), die größte Kapazität.

In Abbildung 2 werden die drei Produkttypen miteinander verglichen. Alle drei Produktvarianten bieten die Schutzarten IP65/IP67.

Abbildung der MCS-Gehäuseoptionen mit den Schutzarten IP65/IP67 (zum Vergrößern anklicken)Abbildung 2: Die IP65/IP67-konformen MCS-Gehäuseoptionen, die eine skalierbare Grundlage für eine Produktfamilie bieten. (Bildquelle: Phoenix Contact)

Jede dieser Größen ist auch in einer belüfteten IP40-Version erhältlich (z. B. das MCS-112X90X52-IP40-7035), so dass dieselbe Produktarchitektur sowohl in rauen Außenumgebungen als auch in geschützten Innenbereichen eingesetzt werden kann. Diese abgestufte Größenstrategie bildet zusammen mit den flexiblen IP-Einstufungsoptionen die Grundlage für die gesamte Produktlinie.

Auswechselbare MCS-Gehäuserahmen zur Unterscheidung

Nach der Auswahl der grundlegenden Gehäusegröße ist ein wesentliches Merkmal der MCS-Plattform das umfangreiche Angebot an MCS-Gehäuserahmen, wie in Abbildung 3 dargestellt. Diese Rahmen werden auf das Basisgehäuse aufgeschnappt, was eine funktionale und ästhetische Differenzierung innerhalb der Produktlinie ermöglicht. Die Rahmen fügen spezifische Merkmale hinzu, anstatt die Produktstufe zu definieren. So kann jede der Gehäusegrößen mit einem Rahmen mit transparentem, aufklappbarem Deckel ausgestattet werden, wie z.B. die MCS-112X90-C-S-7035, die eine Standard-Überwachungsbox in ein Gerät mit geschütztem Benutzerdisplay verwandeln kann.

Bild der MCS-Gehäuserahmen von Phoenix ContactAbbildung 3. Verschiedene MCS-Gehäuserahmen zur Erzielung unterschiedlicher Funktionalitäten und Ästhetik, wie z. B. Hinzufügen eines Displays, einer aufklappbaren Schutzabdeckung oder einer Farbcodierung. (Bildquelle: Phoenix Contact)

Diese Modularität ermöglicht auch ein visuelles Branding und anwendungsspezifische Anpassungen. Ein Standardprodukt könnte den schwarzen Rahmen verwenden (z. B. den MCS-112X90-C-D-9005). Für Geräte, die in Sicherheitssystemen eingesetzt werden oder eine hohe Sichtbarkeit erfordern, kann der gelbe Rahmen (MCS-78X64-C-D-1018) oder ein blauer Rahmen (MCS-156X127-C-D-5015) verwendet werden. Dies ermöglicht es Ingenieuren, unterschiedliche Produktidentitäten und funktionale Merkmale zu schaffen, ohne das Kerngehäuse oder den Herstellungsprozess zu verändern.

Universelles MCS-Zubehör

Ein Satz universeller MCS-Zubehörteile ist für die gesamte Produktfamilie geeignet, unabhängig von der Größe oder der Wahl des Rahmens, wie in Abbildung 4 dargestellt.

Abbildung des universellen und größenspezifischen MCS-Zubehörs (zum Vergrößern anklicken)Abbildung 4. Universelles und größenspezifisches MCS-Zubehör, das die Montage standardisiert und die Funktionalität der gesamten Produktfamilie verbessert. (Bildquelle: Phoenix Contact)

  • Konsistente Montage: Die Adapterplatten (z.B. MCS-78X64-AP-7035) stellen sicher, dass jedes Gerät der Produktfamilie einheitlich montiert werden kann, egal ob auf einem Panel, einem Mast oder einer Hutschiene.
  • Verbesserte Wartungsfreundlichkeit: Das optionale Filmscharnier (MCS-H-40-3031) kann an jedem Gehäuse angebracht werden und stellt sicher, dass die Abdeckung an ihrem Platz bleibt und bei Wartungsarbeiten vor Ort nicht herunterfällt oder verloren geht - ein wertvolles Merkmal für eine verbesserte Wartungsfreundlichkeit vor Ort.
  • Interne Flexibilität: Für Designs, die eine komplexere Elektronik erfordern, ermöglichen die Platinenschrauben (MCS-S-PCB-2,5X8) die sichere Befestigung einer zweiten Leiterplatte im Gehäuse.

Fazit

Für B2B-Elektronikunternehmen ist der Übergang von einem nur für eine bestimmte Aufgabe geeigneten Gehäuse zu einer modularen Plattformstrategie ein praktischer Weg, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auf diese Weise können Entwicklungsteams die üblichen Herausforderungen bei der Gehäusegestaltung vermeiden und eine vielfältige Produktfamilie entwickeln, die skalierbar, einfach zu fertigen und optisch einheitlich ist.

Die MCS-Serie von Phoenix Contact ist ein Beispiel für diese Philosophie. Das MCS-Ökosystem bietet standardisierte Gehäuse, eine große Auswahl an unterschiedlichen Rahmen und ein universelles Zubehörset und ermöglicht es Ingenieuren, Produktfamilien effizienter zu entwickeln. Diese Vorgehensweise bei der Auswahl von Gehäusen kann die Markteinführung beschleunigen und zum Aufbau einer erkennbaren Markenidentität beitragen.

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Über den Autor

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Rakesh Kumar, Ph.D.

Rakesh Kumar, Ph.D., is a B2B electronics content writer and strategist and the proprietor of EETips Content Marketing. An IEEE Senior Member and Chair of the IEEE Power Electronics Society Educational Videos Committee, he specializes in creating technical content for electronics manufacturers and distributors. Rakesh has written for WTWH Media publications (EE World, EV Engineering Online), created white papers for TDK Electronics, and contributed to numerous journal and industry publications. With his Ph.D. in electrical engineering, he translates complex technical concepts into clear, practical content that engineers can actually use.

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